Fam. Löwenthal


Nebenstehend finden Sie die Gedenksteine.


Paul L. wurde 1890 in Eberswalde geboren und war jüdischen Glaubens. Bevor er in den 1. Weltkrieg zog und für seine soldatische Tapferkeit einen Orden erhielt, studierte er Architektur. Nach dem Krieg heiratete er Selma Schönfeld, die aus einer vermögenden Bielefelder Familie stammte. Ihre erste Wohnung hatten sie in der Roonstr. 12. Von 1920 bis 1930 wohnte die Familie in der Rolandstr. 10, wo ihre drei Mädchen Anna (geb. 1921), Lisa (geb.1922) und Käthe (geb. 1923) geborenwurden. Paul Löwenthal war ein gefragter Architekt; er hatte sein Büro in der August-Bebel-Str. Sein wohl bekanntestes Bauwerk ist das 1928 entstandene „Kachelhaus“ in der Hagenbruchstr./ Ecke Goldstraße, das heute u.a. wegen der einzeln angefertigten Meißener Kacheln unter Denkmalschutz steht. Aber auch das Gebäude der Sparkasse an der Herforder Str. hat er entworfen. 1930 zog die Familie nach Brackwede in die Waldstr.34a, das sie jedoch nach dem Berufsverbot des Vaters 1934 verlassen mussten, weil sie die Miete für das große Haus nicht mehr zahlen konnten. Sie zogen dann in die Küglerstr.16.

Die Eltern schickten die beiden jüngeren Kinder, Käthe (15 J.) und Lisa (16 J.), mit dem letzten Kindertransport 1938 nach England. Der ältesten Tochter Anne gelang 1939 die Flucht nach England, wo sie jedoch 1943 an einer schweren Krankheit starb.

Die Eltern mussten am 14.4.1939 in das „Judenhaus“ in der Falkstr. umziehen. Von dort wurden sie am 13.12.1941 Nach Riga deportiert, wo sie starben. Die genauen Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt. Lisa ging von England aus nach Palästina, wo sie in einem Kibbuz lebte und ihren späteren Ehemann Montecorboli kennen lernte. Sie ging mit ihm nach Italien und wurde Schriftstellerin insbes. von Kinderbüchern über die Verfolgung der Juden im Nationalsozialismus. Käthe nahm später den Namen ihres Vaters an und nannte sich Karen Gershon. Sie blieb in England und wurde Schriftstellerin. Thematisch befasste sie sich immer wieder mit Ausgestoßensein und der Heimatlosigkeit. Am 24.3.1993 starb sie in London.


Weitere Informationen:

Biographische Notizen zu Käthe Löwenthal (pdf)

Nachruf auf Lise Loewenthal von Monika Minninger (pdf)

Nachruf auf Lise Loewenthal NW Bielefeld (pdf)


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